Doris und Dieter"Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen" könnte man meinen, wenn man sich die Internetseite des Obst- und Gartenbauvereins Erbach ansieht. Warum nicht?

Es wird aber auch in der Gartenanlage gearbeitet. Es gilt 3.000 Quadratmeter Obstwiese im Pfarrgarten der St.-Andreaskirche zu pflegen, frisch gepflanzte Rosen auf ca. 60 Quadratmeter zu hegen und weitere 9 Quittenbäume hinter dem Vereinsheim sind für jeden Handgriff dankbar. Die Anzahl der Büsche von Johannis- und Aroniabeeren kann ich auf Anhieb gar nicht angeben. Die Brombeerhecken werden auch regelmäßig zurückgeschnitten. Nach Schnittmaßnahmen werden Äste und Reisig im Randbereich der Obstwiese aufgeschichtet und verrotten dort langsam vor sich hin. Kleintiere, Insekten und Bodenlebewesen finden darin und darunter Unterschlupf und Nahrung. Wühlmäuse oder konkrete Anzeichen ihrer Existenz haben wir noch nicht gefunden.

Die arbeitsintensivste Tätigkeit ist das regelmäßige Grasmähen. Darüber gab und gibt es noch gelegentlich Diskussionen. Glücklicherweise haben wir keinen Streit über das Konzept der Baumkronen, nur über die "Wildnis" darunter sind wir uns noch nicht einig.
Ich kann mich daran erinnern, dass wir vor einem Jahrzehnt jährlich ca. 7 Kubikmeter verschimmelten Rasenschnitt für teures Geld mit dem Container wegtransportiert haben und daneben die Obstbäume auf dem kargen und trockenen Sandboden fast verhungert bzw. verdurstet sind. In der größten Sommerhitze durfte der Boden in der Sonne backen und im Wind verdorren. Bei allem Respekt für die Ordnungsliebe der Erbacher Bürger, kann ich nur den Kopf schütteln.
Schließlich konnten wir uns durchringen, den Rasen zu mähen und das fein zerkleinerte Gras als Mulchschicht liegen zu lassen, die Technik dazu hatten wir. Tage später sah man nur noch diskrete Streifen aus hellbraunem Grasschnitzel, spätestens nach dem ersten Regen war davon nichts mehr zu erkennen. Das Gras hatte wieder alles überdeckt.
Von einer bunten Blumenwiese waren wir aber noch weit entfernt, lange anhaltendes Regenwetter hat unsDieter Ecker und Kurt Kuhnere Arbeitsplanung oftmals durchkreuzt, der Rasentraktor schaffte danach das lange Gras nicht mehr und es gab wieder Ärger wegen dem Grasschnitt.
Spätestens als ein Kollege seine Bienenvölker im Obstgarten stationiert hatte, war uns klar, dass auch nach der Obstblüte etwas Blühendes für die Bienen vorhanden sein muss.
Einzelne Kräuter wurden zwischen die Baumreihen gepflanzt, Boretsch & Co blühten fleißig bis der erste Frost sie niederstreckte. Die alljährliche Kräuterwanderung wurde immer interessanter. Die Ernteerträge nahmen zu.

Wir dachten darüber nach, die Wiese nur noch partiell zu mähen bzw. den Vorgang so lange wie möglich hinauszuzögern. Die Vielfalt der blühenden Kräuter nahm selbstständig zu ("Wo Tauben sind, fliegen Tauben hin" sagt der Volksmund), das schon lange vorhandene Gras wurde kräftiger im Halm, man erkannte direkt, dass die Biomasse zunimmt.
Nur mit der gewohnten Ordnung ist das nicht mehr im Einklang! Von außen kommen Bemerkungen und Impulse: "Wie sieht denn das aus?!". Es könnte auch sein, dass die Gefahr durch Zecken zunimmt, unsere Obstwiese ist aber kein Spielplatz und auch keine öffentliche Parkanlage.

Wie geht es weiter? Für Erntearbeiten und für die Kräuterwanderung wird kompromisslos gemäht, aber die Macht der Gewohnheit ist nicht zu unterschätzen.

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